Hungerstreik im Rottenburger Abschiebeknast

On: Dezember 27th, 2007

Am 1. Mai begannen zunächst 16 Gefangene des Rottenburger Abschiebeknasts sich zu organiesieren, um gegen die Internierung und die unmenschlichen Bedingungen der Abschiebehaft zu protestieren und für ein Bleiberecht in Deutschland zu kämpfen. 11 Menschen traten in einen unbefristeten Hungerstreik

Nachdem sie von SozialarbeiterInnen und der Ausländerbehörde massiv unter Druck gesetzt wurden, waren es am Wochenanfang noch 6 Menschen aus der Türkei und Albanien, die die Nahrungsaufnahme verweigerten und ihre Gesundheit aufs Spiel setzten, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Eine Person wurde derweil in den Abschiebeknast nach Mannheim verlegt, weil sie ein angeblich zu “aggressives”, d.h. widerständiges Verhalten an den Tag legte.

Erklärung der Rottenburger Hungerstreikgefangenen:
“Wir Hungerstreikenden sind hierher nach Deutschland gekommen wegen politischer, gesellschaftlicher, gesundheitlicher Probleme, aufgrund von Bürgerkrieg und anderen Gefahren. Wir wollen unser Leben in Freiheit und Sicherheit verbringen. Unsere jetzige Gefangenschaft und die drohende Abschiebung sind wegen der genannten Probleme aus unserer Sicht erniedrigend, gefährlich und inakzeptabel. Die Hoffnungen, Ängste und Erwartungen, die wir vom Leben haben, haben uns gezwungen, in Hungerstreik zu treten. Wir haben am ersten Mai mit einem unbefristeten Hungerstreik begonnen.Wir denken und hoffen, dass die zuständigen Ämter uns ein Recht, hier zu leben, zuerkennen können.”
(Rottenburg, 5. Mai 04)

Unterstützung von aussen
Um die Abschiebegefangenen in ihrem Widerstand zu unterstützen, organisierten wir mit anderen antirassistischen Gruppen wie dem Bündnis gegen Abschiebehaft, die den Kontakt zu den Gefangenen hielten, mehrere Solidaritätsaktionen. Regelmäßige, meistens von mehr als 30 Leuten besuchte Mahnwachen wurden abwechselnd in Tübingen und Rottenburg abgehalten, es gab eine Kundgebung in Tübingen und am 14. Mai eine kleine aber feine und laute Demonstration von ca. 140 Menschen durch Rottenburg hoch zum Knast. An dieser Demonstration nahm auch einer der Gefangenen, der am 29. April als erster in Hungerstreik trat und ein paar Stunden zuvor freigelassen wurde, teil.

Selbstmordversuch und Abschiebung
Am 11. Mai versuchte einer von ihnen, Mohammed S., sich mit Tabletten das Leben zu nehmen, nachdem ihm sein Anwalt mitteilte, dass Ersatzpapiere für seine Abschiebung ausgestellt würden. Der im Libanon geborene Kurde wurde ca. 3 Monate zuvor von der Arbeit weg verhaftet und in Abschiebehaft gebracht, weil er angezeigt wurde, bei seiner Einreise vor 15 Jahren (!) angeblich falsche Angaben zu seiner Person gemacht zu haben. Nach dem Selbstmordversuch wurde er in die Knastklinik nach Hohenasperg verlegt und wieder aufgepäpelt, um ihn ca. eine Woche später in die Türkei abschieben zu können.

Freiheit!
Efter T., der den Hungerstreik weiterführte, nachdem die anderen 2 Hungerstreikgefangenen nach mehr als 20 Tagen den Hungerstreik abgebrochen hatten, wurde am 27. Mai freigelassen, nachdem er kurz zuvor nach Hohenasperg verlegt wurde. Das Verwaltungsgericht entschied sich für seine Freilassung, bis geprüft sein wird, ob ihm Abschiebeschutz gewährt wird oder nicht.

KEINE ABSCHIEBUNGEN, ABSCHIEBEKNÄSTE UND ABSCHIEBELAGER! STATTDESSEN GRENZEN WEG UND BLEIBERECHT FÜR ALLE! SOLIDARITÄT IST EINE WAFFE!

By: admin | In: News | 0 Comments


Comments are closed.

  • Blogroll